Über die FAQ-Serie
In dieser Serie beantworte ich Fragen, die ich von Leserinnen erhalten habe. Wenn ich eine Frage für so interessant halte, dass sie öffentlich beantwortet werden kann, weil auch andere davon profitieren können, wird sie in diese Serie aufgenommen. Selbstverständlich sind die Fragen anonymisiert und redaktionell aufbereitet!
Bea fragt:
Hallo Viola, danke für deinen tollen Blog, viele deiner Beiträge sind sehr inspirierend für mich und meinen Mann. Allerdings kommt es mir oft so vor, als ob du aus der perfekten Ehe oder einer Fantasiewelt kommst. Wie gehst du mit den Problemen einer “echten” Ehe um? Wie funktioniert eine Keuschheits-Session, wenn du gerade mal nicht gut auf deinen Partner zu sprechen bist? Was, wenn du gestresst von der Arbeit bist und über längeren Zeitraum keine Lust auf Sex hast?
Hallo Bea! Danke für das Kompliment und die Anmerkung! Ich kann dir garantieren, dass die Ehe zwischen mir und meinem Mann echt ist. Natürlich haben auch wir unsere Hochs und Tiefs. Es ist keinesfalls so, dass wir jeden Abend eine wilde Session mit allem Drum und Dran haben – eher im Gegenteil. Sowohl ich als auch mein Mann sind voll berufstätig, und unsere Zeit und auch Lust ist dementsprechend limitiert. Ich kann dir deine Frage gerne anhand einiger privater Beispiele beantworten, dazu ist aber erst einmal wichtig, WIE genau Sessions im Kontext unserer Ehe funktionieren.
Chastity als Lifestyle
Für uns als Paar war Keuschheit anfangs einfach nur ein spannendes Spiel. Wir haben uns aber immer weiter und tiefer darin eingefunden und es irgendwann stillschweigend zu unserem Lifestyle gemacht. Für mich und meinen Mann ist seine Keuschheit und das Tragen des Keuschheitskäfigs absoluter Standard. Am besten kannst du das mit unseren Eheringen vergleichen. Man lässt den nicht einfach weg, weil man mal gerade keinen “Bock” hat. Mein Mann ist mir sexuell gefügig und ich bestimme über ihn. Das bedeutet auch, dass ich seine Orgasmen nach meiner Lust und Laune einschränken kann. Nicht, weil ich das so bestimmt habe, sondern weil wir das beide so möchten.
Wenn wir streiten
Wie jedes andere Paar streiten auch wir ab und zu. Dabei aber in den absolut seltensten Fällen betreffend seiner Keuschheit. Ich kann die Streits über die letzten 10 Jahre, welche aufgrund seiner Keuschheit stattgefunden haben, mit einer Hand abzählen. Viel geläufiger sind bei uns Streits über alltägliche Dinge – wie bei jedem anderen Paar auch. Dabei spielt aber seine Keuschheit keine Rolle. Nur weil ich sauer auf ihn bin, breche ich eine Session nicht ab. Er würde es auch nie wagen, deswegen „Safeword-Abuse“ zu begehen.
Hier komme ich wieder zurück zu unseren Eheringen: Nur weil wir streiten, ziehen wir nicht unsere Eheringe aus und schmeißen sie uns vor die Füße. Natürlich sitzt du als seine Keyholderin, was die Druckmittel anbelangt, am längeren Hebel. Du kannst seine Keuschheit jederzeit als „Waffe“ einsetzen im Sinne von: „Wenn du nicht einlenkst, werde ich dich lange nicht kommen lassen!“
Keuschheit als Waffe zu gebrauchen KANN legitim sein, aber lediglich bei „Kleinkram“. Als Beispiel: wenn dein Mann den Geschirrspüler mal wieder nicht ausgeräumt hat oder den WC-Deckel oben stehen lässt. Dann kann eine solche Drohung sogar spielerisch sexuell wirken und den Streit entschärfen. Für ECHTE Streits ist Keuschheit als Waffe jedoch ein Tabu. Da liegt es dann in deiner Verantwortung, ruhig zu bleiben und anzuerkennen, dass ihr nicht gleicher Meinung seid und jetzt Streit habt. Du hast dann das Recht, deinen Partner für den Moment zu ignorieren und nicht kommen zu lassen, aber du solltest ihm diesen Streit, wenn er dann erledigt ist, nicht nachtragen. Ansonsten wird das Vertrauen untergraben. Gesunder Menschenverstand ist hier der Schlüssel.
Wenn wir keine Lust haben
Ich erinnere mich an eine Phase in meiner beruflichen Laufbahn – zum Glück in einem Job, den ich nicht mehr mache –, in der es eine sehr stressige Phase gab. Ich habe über Monate geackert wie eine Irre und sicher zwanzig Überstunden pro Woche gemacht. Natürlich war ich jeden Abend total am Ende und habe mich mehr oder weniger gleich ins Bett gelegt. Das ging über etwa 6 Monate so, bevor ich den Job hingeschmissen habe. In diesen 6 Monaten hatte ich mit meinem Mann vielleicht ein- oder zweimal Sex. Ich war zu gestresst, zu ausgelaugt, zu erledigt. Solche Phasen gibt es. Es kann auch etwas anderes sein – eine leichte Depression oder sonst irgendetwas. Wir sind keine Maschinen, die auf Knopfdruck Lust auf Sex haben. Auch wenn das durch meine Blogeinträge so erscheinen mag: Ich bin keine 24/7-Mistress, die nur ihren Mann bespaßt. Ich bin eine ganz normale berufstätige Frau – sehr wahrscheinlich genau wie du!
In der Phase, in der ich so viel gearbeitet habe, ist mir relativ schnell klar geworden, dass mein Sexualleben darunter leidet. Mein Mann hat tapfer durchgehalten und in Keuschheit ausgeharrt. Nach etwa einem Monat wurde es mir dann aber zu viel. Ich hatte schlichtweg keinen Kopf für irgendein Teasing oder sonst etwas. Schon der Gedanke daran, nach Hause kommen zu müssen, um mich dann um meinen Mann zu „kümmern“, war mir zu viel. Ich habe das damals meinem Mann genau so gesagt und die Session deshalb abgebrochen. Er war enttäuscht, doch hatte natürlich volles Verständnis.
Einige Wochen später ist er dann eines Abends auf mich zugekommen. Er erklärte mir, dass er nicht will, dass ich eine zusätzliche Last nur wegen ihm tragen solle. Er wollte nicht, dass ihn dominieren mich noch mehr auslaugt, aber er hat mir auch gesagt, wie sehr er die Keuschheit vermisst. Ich war erst einmal ein wenig irritiert, da ich immer dachte: Es kann ja nicht so schlimm sein, wenn er es sich jeden Abend selbst machen kann.
Wir haben uns dann also auf einen simplen Plan geeinigt:
Wir haben eine neue Session gestartet mit dem Hintergrund, dass ich absolut nichts machen muss außer einer Sache: ihm jeden Sonntag den Schlüssel zu geben. Damit konnte er einmal die Woche masturbieren. Das hat für uns beide so gepasst. Dieses „Einmal die Woche“ ist bis heute unser „Fallback-Session-Schema“. Wenn wir keine Zeit füreinander haben – aus welchem Grund auch immer. Egal ob Krankheit, Regeneration nach einer OP, Stress … Egal was. Dann bekommt er einmal die Woche den Schlüssel und gibt ihn mir nach seinem Geschäft zurück.
Einige Gedanken dazu von meinem Mann:
Meine Frau hat mich gebeten, auch meine Sichtweise dazu niederzuschreiben. Klar möchten wir Männer nicht, dass wir unsere wunderbaren Keyholderinnen mit zusätzlicher Arbeit belasten, und ich denke, uns ist auch bewusst, dass viele von euch Frauen es irgendwie als Pflicht ansehen, eine gute Keyholderin zu sein. Das müsst ihr nicht, wir wollen vor allem, dass ihr glücklich seid! Wenn es eurem Glück zuträglich ist, verzichten wir auch gerne mal über einen längeren Zeitraum auf ein intensives Spiel. Was uns – oder ich muss wohl eher von mir sprechen, da ich nicht für jeden Mann sprechen kann – wirklich weh tut, ist, wenn wir nicht mehr keusch gehalten werden.
Warum, erkläre ich gerne! Du kannst dir das wie ein tolles Essen vorstellen. Stell dir vor, du isst jeden Tag dein Lieblingsgericht – irgendwann hast du keinen Bock mehr darauf. Genau so ist es mit Masturbieren. Für mich ist es sehr stressig, wenn ich nicht von einem Keuschheitskäfig vom dauernden Masturbieren abgehalten werde. Ich denke den halben Tag darüber nach, welchen Porno ich mir am Abend ansehen werde. Dann fange ich an zu masturbieren und klicke mich von einem Clip zum nächsten. Ich verblöde Zeit und Energie. Ich bin genervt von mir selbst, dass ich wieder so viel Zeit mit Pornografie verschwendet habe, die ich in etwas Sinnvolleres investieren hätte können. Doch am meisten nervt mich, dass meine Gedanken nicht bei meiner wunderbaren Frau, sondern bei irgendeiner Internet-Tussi waren.
Klar macht es mal Spaß, einige Tage lang wichsen zu können, wie man will, doch irgendwann kommt dieses Verlangen nach Kontrolle zurück. Ich möchte die Kontrolle meiner Keyholderin. Es baut sich ein Verlangen auf, das man nicht ignorieren kann! Gleichzeitig möchte ich aber in einer stressigen Phase auch keine zusätzliche Belastung sein. Daher ist unser „Einmal die Woche“-Fallback-Plan eine ideale Zwischenlösung für uns beide. Wie das meiste andere in einer Beziehung funktioniert auch hier ein Kompromiss am besten!
Ich hoffe, die Antwort und auch der Einblick meines Mannes hilft dir und deinem Partner bei euren Problemen weiter!
Liebe Grüße
Eure Mistress Viola
Bei Anregungen und Fragen dürft ihr mich gerne jederzeit kontaktieren.



