Ein wichtiger Schlüssel für eine gute, stabile und funktionierende Beziehung ist Kommunikation. Natürlich profitieren auch Kinks wie die Keuschhaltung von einer offenen Kommunikation und synchronen Erwartungshaltungen. Ich treffe immer wieder auf Probleme, die sich durch eine vernünftige Kommunikation lösen ließen. Genau wie bei anderen Aspekten einer Beziehung oder des Zusammenlebens gibt es auch bei der Keuschhaltung Erwartungshaltungen und Normen, die man selbst für normal hält, dies aber nicht unbedingt sein müssen. Oftmals haben Paare komplett andere Erwartungen an Umgang mit Geld, Haushalt, Erziehung oder andere Aspekte. Das führt dann zu Diskussionen und Streit; daher ist es immer besser, so früh wie möglich zu klären, was die Erwartungen betreffend Keuschhaltung an den Partner sind und wie dessen Erwartungen an einen selbst aussehen.
Wir sind alle unterschiedlich
Ein weit verbreitetes Phänomen in der BDSM-Szene ist die Annahme, dass alle dieselben Erwartungen an Kinks haben. Man muss sich von der Idee lösen, dass man denkt, sein Partner habe automatisch dieselben Erwartungen und Ansprüche an alles wie man selbst – das ist schlichtweg unrealistisch. Dennoch tendieren wir dazu, zu denken, dass ja alles klar oder offensichtlich sein müsse. Dem ist leider nicht so. Das einzige Mittel dagegen ist Kommunikation!
Eine Aufgabe für beide
Diese Aufgabe ist nicht ausschließlich für deinen Partner gedacht. Klar wird dein Partner Erwartungen an dich haben, doch du hast bestimmt auch welche an ihn. Ziel soll es sein, dass beide einen Konsens finden, wie mit der Keuschhaltung umzugehen ist. Wenn ich zum Beispiel herausstelle, dass du als Keyholderin die Erwartung hast, dass dein Partner 24/7 für dich verschlossen ist, dein Partner aber nur jeweils einige Stunden verschlossen sein möchte, solltet ihr diesen Punkt diskutieren und gemeinsam einen Konsens finden. Das klärt nicht nur vieles auf, sondern stärkt mit Sicherheit eure Beziehung und führt euch näher zusammen.
Ich werde im Folgenden eine Liste an Fragen aufführen, welche ihr allein und für euch schriftlich beantwortet. Wenn beide die Fragen beantwortet haben, tauscht ihr die Antworten aus. So erkennt ihr eventuelle Konfliktpunkte und könnt diese diskutieren.
Fragen für den Chaste
Diese Fragen helfen dir, deine eigenen Wünsche, Grenzen und Erwartungen rund um die Keuschhaltung zu reflektieren. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten – wichtig ist nur, dass du ehrlich mit dir selbst bist. Viele Dinge fallen einem erst auf, wenn man sie schriftlich festhält. Nimm dir Zeit, denke über jede Frage nach, und schreibe ruhig mehr als nur ein paar Zeilen. Dein Partner wird deine Antworten später lesen – sei offen auch dort, wo es unangenehm sein könnte. Nur so kannst du sicherstellen, dass eure Dynamik wirklich zu dir passt.
- Wie ordnest du den Keuschheitskink ein? Ist dieser ein Spiel oder ein ernster Bestandteil eurer Beziehung?
- Was an der Keuschhaltung gefällt dir besonders? Was macht dich daran an?
- Was an der Keuschhaltung gefällt dir weniger?
- Was hast du für Erwartungen an Dauer und Intensität einer Session?
- Warum willst du immer wieder von deiner Keyholderin keusch gehalten werden?
- Was würdest du dir wünschen, dass deine Keyholderin öfter oder mehr macht?
- Was musst du für deine Keyholderin zu oft erledigen? Wovon hättest du gerne weniger?
- Wie stehst du zu CNC? Darf deine Keyholderin weiter über dich verfügen, auch wenn du eigentlich keine Lust mehr hast?
- Funktioniert Sex für dich auch ohne „Penis-in-Vagina”-Penetration?
- Kannst du dich als Submissiver-Partner fallen lassen, oder hast du Ängste oder Sorgen?
- Was kann deine Keyholderin deiner Meinung nach machen, um noch besser in ihrer Rolle zu sein?
- Liste konkret drei Dinge auf, die du in Zukunft in eine Session integrieren möchtest.
- Was hast du sonst noch für Sorgen oder Ängste, die deine Keyholderin kennen sollte?
Fragen für die Keyholderin
Diese Fragen richten sich an dich als dominante/r Partner/in. Sie helfen dir, deine Motive, Ziele und Grenzen im Kontext der Keuschhaltung zu klären. Auch hier gilt: Ehrlichkeit steht an erster Stelle – sowohl dir selbst gegenüber als auch deinem/einem Partner gegenüber. Du hast eine Verantwortung in dieser Rolle, und klare Erwartungen von Anfang an entlasten beide Seiten. Nimm dir Zeit für jede Frage. Wenn dir bestimmte Punkte bewusst werden, die du kommunizieren möchtest, schreib sie auf. Auch das, was “nicht sexy klingt” gehört dazu.
- Wie ordnest du den Keuschheitskink ein? Ist dieser ein Spiel oder ein ernster Bestandteil eurer Beziehung?
- Was an der Keuschhaltung gefällt dir besonders? Was macht dich daran an?
- Was an der Keuschhaltung gefällt dir weniger?
- Was hast du für Erwartungen an Dauer und Intensität einer Session?
- Was für ein Ziel verfolgst du, wenn du deinen Partner keusch hältst? Was möchtest du erreichen?
- Warum würdest du auf das Keuschhalten deines Partners nicht verzichten wollen?
- Was wünscht du dir, dass dein Partner mehr macht?
- Was wünscht du dir, dass dein Partner anders macht?
- Wie stehst du zu CNC? Hälst du das Machtverhältnis auch aufrecht, wenn dein Partner eigentlich aussteigen möchte?
- Funktioniert Sex für dich auch ohne „Penis-in-Vagina”-Penetration?
- Fühlst du dich in deiner dominanten Rolle wohl, oder hast du Zweifel oder Ängste, etwas falsch zu machen?
- Was kann dein Partner deiner Meinung nach machen, um ein besserer Keusch-Partner zu sein?
- Liste konkret drei Dinge auf, die du in Zukunft in eine Session integrieren möchtest.
- Was hast du sonst noch für Sorgen oder Ängste, die dein Partner kennen sollte?
An die arbeit!
Ihr dürft die Fragen von Hand beantworten oder digital – das spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass ihr euch dafür Zeit nehmt und ehrlich seid. Es wäre schade, jede Frage schnell mit einem Satz zu beantworten; mehr ist hier besser. Desto ausführlicher die Antworten, desto klarer werden die Erwartungen an den Partner kommuniziert, und desto besser könnt ihr euch aufeinander abstimmen.
Die Faustregel sollte sein, dass hier etwa eine A4-Seite an Text zusammenkommt. Es geht darum, ehrlich zu sein und auch eigene Ängste und Sorgen zu benennen, auch wenn das manchmal wehtut. Wenn dein primäres Ziel als Keyholderin zum Beispiel ist, dass dein Mann den Müll regelmäßig wegbringt, solltest du das auch so kommunizieren, auch wenn das nicht so sexy klingt. Als kleiner Tipp: Manchmal hilft ein Gläschen Wein beim Beantworten der Fragen.
Fazit
Es ist eigentlich ganz einfach und offensichtlich; dennoch verlieren sich Paare immer wieder in der romantischen Vorstellung, dass der jeweilige Partner ja die eigenen Gedanken lesen kann. Ein klärendes Gespräch kann einen oft in die Realität zurückholen, und das lohnt sich eigentlich immer!
Liebe Grüße
Eure Mistress Viola
Bei Anregungen und Fragen dürft ihr mich gerne jederzeit kontaktieren.


